Wenn ein ERP-Projekt ins Stocken gerät, liegt die Ursache selten in der gewählten Software. Häufiger fehlt schlicht jemand, der die Verantwortung durchgängig trägt. Ein Beispiel aus der Praxis zeigt, wie schnell aus einer einzelnen Kündigung eine monatelange Führungslücke werden kann, und was in solchen Situationen tatsächlich hilft.
Ein Fallbeispiel aus der Nordschweiz
Ein mittelständischer Betrieb, gut dreihundert Mitarbeitende. Die bestehende ERP-Lösung ist vierzehn Jahre alt, der Hersteller-Support läuft aus. Die Geschäftsleitung ist sich einig: jetzt ist der richtige Moment für die Ablösung. Das Projekt wird aufgesetzt, ein Budget gesprochen, ein interner Projektleiter bestimmt.
Die ersten Monate laufen plangemäss. Dann die erste Verzögerung: der Projektleiter kündigt, neue Stelle, besseres Angebot. Die Ausschreibung für die Nachfolge läuft an, zunächst drei Monate, dann sechs. Es findet sich kein geeigneter Kandidat.
Das Projekt läuft in dieser Zeit weiter, aber ohne klare Führung. Entscheidungen werden vertagt, Verantwortlichkeiten verschwimmen zwischen IT, Fachbereichen und externem Implementierungspartner. Im Steering Committee bleibt der Status trotzdem grün, weil niemand die Verzögerung offiziell machen will. Ein bekanntes Muster: der gemeldete Status und der tatsächliche Stand der Dinge entwickeln sich auseinander.
Warum das kein Einzelfall ist
Die Situation aus dem Beispiel ist kein Ausreisser. 41 Prozent der Schweizer KMU nennen den Fachkräftemangel aktuell als eine ihrer grössten Herausforderungen . Für viele Projektleitungsstellen dauert die Suche mehrere Monate, in manchen Fällen länger, als das Projekt selbst noch Zeit hat.
Das trifft besonders Digitalisierungsvorhaben, weil sie eine Kombination aus IT-Verständnis, Prozesswissen und Durchsetzungsvermögen im Tagesgeschäft verlangen. Genau dieses Profil ist auf dem Arbeitsmarkt knapp und entsprechend schwer kurzfristig zu besetzen.
Was in dieser Situation wirklich fehlt
Die naheliegende Reaktion ist meist, die Rekrutierung zu intensivieren oder das Anforderungsprofil zu senken, in der Hoffnung, schneller fündig zu werden. Beides verlängert das Problem eher, als es zu lösen.
Was in dieser Situation tatsächlich fehlt, ist nicht zwingend eine Festanstellung. Es ist Führung, ab sofort. Jemand, der Entscheidungen trifft, den Status ehrlich einordnet und das Projekt bis zur nächsten Etappe verantwortet, unabhängig davon, wie lange die Suche nach einer dauerhaften Lösung noch dauert.
Interimsführung als Antwort
Genau für diese Lücke gibt es Interimsführung. Kein langer Rekrutierungsprozess, keine Einarbeitungszeit von mehreren Monaten, sondern ein erfahrener Projektleiter, der kurzfristig übernimmt und so lange bleibt, wie er gebraucht wird.
Das Vorgehen folgt bei Abexis Advisory drei Schritten:
Bewerten. Der reale Projektstatus wird erhoben, unabhängig davon, was im letzten Steering-Committee-Bericht stand.
Beheben. Entscheidungswege werden geklärt, offene Punkte priorisiert, das Projekt wieder auf einen realistischen Kurs gebracht.
Bleiben. Die Verantwortung wird nicht nach der Analyse abgegeben, sondern operativ weitergeführt, bis das Projekt wieder läuft oder eine dauerhafte Nachfolge gefunden ist.
Das unterscheidet diesen Ansatz von einer klassischen Beratung, die nach dem Bericht wieder geht. Die Verantwortung bleibt bei der Person, die den Status auch tatsächlich kennt.
Wie steht es um Ihr Projekt?
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